Rethra-Verlag

Literaturzirkel

Dr. med. Viktor Harsch

V. Harsch: Die Sanitätsflugbereitschaften der Luftwaffe (1939-1945)
Ein Beitrag zu den Anfängen des Lufttransportes Kranker und Verwundeter in Deutschland.

Rethra Verlag, Neubrandenburg: 2005

Abstrakt
Der qualifizierte Lufttransport Kranker, Verletzter und Verwundeter stellt einen der bedeutsamsten Neuerungen im Sanitätsdienst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dar. Der erste Sanitätsinspekteur der Luftwaffe, Prof. Dr. Erich Hippke, forderte bereits 1936, daß der Luftwaffen-Sanitätsdienst beweglicher sein mußte, als der des Heeres. Erste praktischen Erkenntnisse wurden anläßlich des spanischen Bürgerkrieges gesammelt, als Kranke und Verwundete der „Legion Condor“, z.T. im Non-Stop-Flug von Südspanien über das Mittelmeer und die Alpen nach Deutschland in Ambulanzflugzeugen unter medizinischer Betreuung verlegt wurden. Die reichweitengesteigerte Junkers Ju 52 wies weder eine Druckkabine noch eine Bordheizung auf, was die Patienten trotz einer Reiseflughöhe von 5.500 bis zu 6.000 m unter Sauerstoffgabe gut vertrugen. Im „Polenfeldzug“ wurde die Praktikabilität des Lufttransportes Kranker und Verwundeter unter Einsatzbedingungen bestätigt (mehr als 2.500 ausgeflogene Patienten) und konsequenterweise weitere Krankenflugzeug-Einheiten aufgestellt. Bis zum Kriegsende wurden rund 2.5 3.0 Mio. Patienten auf dem Luftweg transportiert, wobei rund 80% reguläre Lufttransporteinheiten leisteten. Der qualifizierte sanitätsdienstliche Lufttransport konzentrierte sich hingegen auf Schwerverwundete, insbesondere diejenigen mit Schädel-, Hirn-, Augen- und Kieferverletzungen. Die Sanitätsflugbereitschaften verfügten in der Regel über 3 Sanitäts-Ju 52, mit denen bis zu 12 liegende und mehrere sitzende Patienten transportiert werden konnten, zudem über je 2 Fieseler Fi 156 „Storch“ Zubringerflugzeuge für je zwei liegende Patienten. Geleitet wurden die 11 Einheiten durch erfahrene Fliegerärzte, zum großen Teil mit eigener Flugerfahrung. Die Entwicklung der Sanitätsflugbereitschaften, deren Einsatztaktik und strategische Einsatzerfahrungen werden in dem Beitrag angesprochen und unter anderem die Frage der Rechtmäßigkeit der Operationen dieser Sanitätseinheiten unter den Vorgaben der Genfer Konvention einer näheren Betrachtung unterzogen.

Abstract
Germany had little experience in Aeromedical Evacuation (AE) of Sick and Wounded before WWII. The need for a specialized AE-Organisation was recognized and AE was well organized and extensively used on all fronts during WWII. Up to 2.5 Million casualties were transported by regular troop carriers and the specialized 11 AE Units, which concentrated on the intensive care air transport of the seriously wounded, especially those with brain injuries, injuries of the eyes, the jaw, thoracic and abdominal wounds, and gun-shot fractures. The AE-Units were commanded by medical officers, most of whom were pilot-physicians. They had command jurisdiction over flying and line personnel as well as medical personnel. In addition to the Junkers Ju 52, which could carry up to twelve litter patients plus 3 to 5 ambulatory patients each, the AE Units were equipped with Fieseler Fi 156 (STOL “Storch” for one or two litter patients), ambulances, as well as the personnel needed for operating and maintaining the units` vehicles and material. The AE Units of the Luftwaffe – the Sanitaetsflugbereitschaften – made an outstanding contribution to military medical care in achieveing this significant number of casualties evacuated under the markings of the Red Cross of humanity.